ÖVP-Clubobmann Markus Malle hat den neuen Gesundheitsplan für Kärnten mitverhandelt. Im Interview erklärt er, was sich für Patienten ändert – und wo gespart werden soll.
Der neue Strukturplan für die Gesundheitsversorgung wird noch im November beschlossen. Was unterscheidet ihn von Früheren?
Malle: Zunächst war der Zugang neu. Ich bin seit 20 Jahren bei Verhandlungen zur Gesundheitsversorgung dabei. Diesmal hatten die Teilnehmer nicht auf ihre eigenen Interessen geschaut, sondern das große Ganze im Blick. So konnten wir die Versorgung in und außerhalb von Spitälern besser aufeinander abstimmen. Das Ergebnis ist, dass das System effizienter wird.
Effizienz ist oft ein anderes Wort für sparen – wo setzt der Sparstift an?
Niemand will bei der Gesundheit einsparen. Es geht um die bestmögliche Versorgung der Kärntnerinnen und Kärnten. Das Land Kärnten wird auch in Zukunft jedes Jahr mehr Geld für das Gesundheitssystem ausgeben. Es muss in finanziell schwierigen Zeiten aber das Ziel sein, dass die Steigerung der Ausgaben nicht aus dem Ruder läuft.
Wie soll das gelingen?
Viele Patienten werden dort behandelt, wo es am meisten kostet, obwohl es medizinisch nicht nötig ist, nämlich: In den Krankenhäusern. Da müssen wir ansetzen. Der Plan sieht eine Stärkung der niedergelassenen Versorgung vor, um die Ambulanzen zu entlasten.
Niemand geht aus Spaß in ein Krankenhaus.
Natürlich nicht. Menschen suchen die Ambulanz auf, weil sie Hilfe brauchen, wenn Ordinationen geschlossen sind. Außerdem sind in Krankenhäusern viele Fachgebiete unter einem Dach. Da setzen wir an.
Wie sehen die konkreten Pläne aus?
Wir treiben den Ausbau der der PVEs voran. Das sind Erstversorgungseinheiten, die mehrere medizinische Leistungen abdecken. Derzeit ist ein einziges in Betrieb. In fünf Jahren sollen es bis zu fünfzehn in Kärnten sein – in jedem Bezirk mindestens eines. Statt in einer Ambulanz können Patienten dann wohnortnahe versorgt werden – bei erweiterten Öffnungs- und kürzeren Wartezeiten.
Patienten müssen die PVEs der Ambulanz aber erst vorziehen.
Vertrauen ist immer ein entscheidender Faktor – ich halte diese Gesundheitszentren für ein Zukunftsmodell. Und wir haben bereits Erfolge vorzuweisen. Nehmen wir die Erstversorgungsambulanz (EVA) in Villach, wo Patienten ankommen, bevor sie ins Spital gehen. Im ersten Jahr sind 87 Prozent aller Menschen in der EVA fertig behandelt worden und mussten nicht weiter in LKH.
Es soll mehr solcher Zentren geben?
In Klagenfurt planen wir eine weitere EVA. Dazu kommen insgesamt acht neue Ambulanzen im Westen des Landes. Da geht es um Abteilungen, die es bisher nur im Klinikum in Klagenfurt gibt – etwa Augenheilkunde, Dermatologie, Urologie. Gemeinsam mit den PVEs und fünf zusätzliche Arztstellen ist das ein großer Schritt für die Versorgung.
Neu in den Regionen:
- Fünf zusätzliche Stellen für niedergelassene Ärzte.
- Bis zu 15 Primärversorgungeinheiten (PVE) in allen Kärntner Regionen.
- Erweiterte Öffnungszeiten der PVEs – Montag bis Freitag von 7 bis 19 Uhr. Samstag als Option.
- Acht Ambulatorien in Bezirken für Fachgebiete, die es jetzt nur im Klinikum gibt: Augen, Dermatologie, Urologie, Schmerz etc.
- Eigene Terminambulanzen für kürzere Wartezeiten. Terminvereinbarung auch über die Gesundheitshotline 1450.

