Studie der Österreichischen Energieagentur im Landtagsausschuss behandelt – VP-Gaggl: „Es braucht ergebnisoffenen Diskurs, wie wir Importabhängigkeit reduzieren können.“
Der letzte Punkt der im Jänner 2025 im Kärntner Landtag vereinbarten „Vier-Parteien-Einigung“ rund um die Themen Windkraftausbau und Energie wurde heute im zuständigen Landtagsausschuss behandelt: Die Kärntner Winterstromlücke. Dass es eine gibt, wurde politisch bereits außer Streit gestellt. Wie groß sie jedoch ist, darüber herrschte bisher Unklarheit. Eine von der Österreichischen Energieagentur (AEA) ausgearbeitete Studie soll das nun ändern. Sie wurde heute im zuständigen Landtagsausschuss erstmals präsentiert und diskutiert. „Bisher waren sehr viele Mythen und Märchen und unterschiedlichste Zahlen dazu in Umlauf. Wir haben nun endlich eine gesicherte Datengrundlage, auf deren Basis wir weitere Gespräche führen können“, betont Ausschussvorsitzender LAbg. Herbert Gaggl nach der Sitzung.
Die Differenz zwischen dem Strombedarf und der erneuerbaren Stromerzeugung im Winterhalbjahr (Oktober bis März) in Kärnten, die nicht durch Erzeugung gedeckt werden kann und daher durch Importe ausgeglichen werden muss, beträgt laut dieser Studie für das Basisjahr 2023 12 % bzw. 340 GWh. Sie steigt oder verringert sich abhängig vom Wasserdargebot. In einem schlechten Wasserjahr würde die Lücke auf bis zu 35% steigen, in einem besonders guten Wasserjahr gegen null sinken. Mit den bereits politisch beschlossenen Maßnahmen gelingt es jedoch die Lücke bis 2030 auf 8 % zu reduzieren.
Wichtig in diesem Zusammenhang ist auch die Entwicklung des Strombedarfs. Auch dieser wurde von der AEA wissenschaftlich bewertet. Insgesamt zeigt sich von 2023 bis 2030 ein Anstieg des Strombedarfs um rund 29 % und von 2023 bis 2040 um rund 65 %. „Diese Zahlen sind ein klarer Auftrag, im Sinne unseres Wirtschaftsstandorts darüber zu diskutieren, wie wir unsere Importabhängigkeit reduzieren können, ganz besonders angesichts globaler Konflikte“, betont Gaggl. Dies müsse auf Basis der Vier-Parteien-Einigung passieren, zu der man sich ganz klar bekenne.
Eine Grundlage dafür liefern die von der AEA in der Studie berechneten Szenarien, welche Erzeugungsformen in welchem Ausmaß ausgebaut werden müssten, um die Winterstromlücke reduzieren zu können. „Die Antwort der wissenschaftlichen Studie ist ganz klar: es braucht einen Technologiemix. Der Fokus auf eine Erzeugungsform alleine führt Kärnten laut den Experten nicht zum Ziel“, informiert der Ausschussvorsitzende. Berechnet wurden von der AEA die Szenarien Ausbau der PV, Ausbau der Windkraft, Ausbau der Wasserkraft sowie zwei Technologiemix-Szenarien – einmal mit einem ab 2030 stagnierenden PV-Ausbau, einmal mit einem gleichbleibend voranschreitenden PV-Ausbau. „Diese Berechnungen werden wir nun ergebnisoffen und breit diskutieren. Die heutige Präsentation war der Startschuss dazu“, verweist LAbg. Herbert Gaggl auf nun folgende weitere Beratungen unter den Landtagsfraktionen.
Hier das Fact-Sheet zur Studie:

